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Der Schädel...

 
Helfer entdecken beim Umwelttag menschlichen Schädel bei Wirschweiler
 
Es sollte ein Umwelttag wie alle vorangegangenen werden: die Flur säubern, Reifen, Verpackungsmüll und Flaschen einsammeln. Die Gemeinde Wirschweiler ( Landkreis Birkenfeld) hatte zum Frühjahrsputz eingeladen. 20 Helfer trugen einen ganzen Container voller Unrat zusammen. Und dann gab es da plötzlich einen Moment, der für Herzrasen sorgte: Sie entdeckten einen Schädel, der halb eingewachsen unter einem Baum zum Vorschein kam.
 
Zuerst dachte der Sammler (ein ehemaliger Bundeswehr-Soldat), dass es sich um einen alten Gummiball handelt. Dann erkannte er aber recht schnell: Bei seinem Fund handelt es sich definitiv um einen menschlichen Schädel und nicht etwa um einen tierischen.
 
Sofort informierten die Helfer Ortsbürgermeister Erich Paulus und den ersten Beigeordneten Sascha Paulus, die sich umgehend selbst ein Bild machten. Sie informierten die Polizei Idar-Oberstein, die kurze Zeit später einen Streifenwagen vorbeischickte, um das Fundstück sicherzustellen und Fotos von der Fundstelle zu machen. Zunächst wurde gemutmaßt, der Schädel sei um die 200 Jahre alt. Nach neuen Erkenntnissen der Kripo ist der Schädel vermutlich aber deutlich jünger und liegt erst seit 70, 80 Jahren auf Wirschweilerer Gemarkung. Wäre er älter, müsste er poröser sein, ergab die forensische Untersuchung. Strafrechtlich interessant sei der Fall nicht.

"Die Stimmung nach dem Fund war schon etwas gruselig, Fragen über Fragen ergaben sich", berichtet Sascha Paulus. Wo kommt der Schädel her? Wie alt ist er wohl genau? Handelt es sich um ein Verbrechen? Viele Geschichten wurden sich zurechtgelegt. "Ganz schön spannend", bekennt Paulus.

Erwachsene hielten die Kinder, die beim Umwelttag halfen, vom Fund fern, es wurde auch nicht laut spekuliert: "Wir wollten den Kleinen ja keine Angst einjagen." Würstchen und Brötchen ließen sich die Helfer im Anschluss dennoch am Gemeindehaus schmecken. Paulus geht davon aus, dass der Andrang beim nächsten Umwelttag größer ist: "Bei uns erlebt man etwas ..."

Der Hottenbacher Pfarrer und Regionalhistoriker Erik Zimmermann betont auf Nachfrage: "Für Spekulationen ist es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. Aber es ist auf alle Fälle eine spannende Geschichte, die ich gern weiter verfolgen würde." Aus seiner Sicht stellen sich noch viele Fragen: Gibt es am Fundort noch weitere Spuren? Leichenteile, Gegenstände, die eine zeitliche Einordnung zulassen? Organisches Material (zum Beispiel Kleidung) werde wohl nicht mehr zu finden sein, aber womöglich Uniformknöpfe, wenn es sich um einen Soldaten handeln sollte, spekuliert Zimmermann. Schließlich wäre auch der genaue Fundort des Schädels wichtig. Gab es dort früher einen Friedhof, der heute stillgelegt ist? Oder eine Hinrichtungsstätte? Befand sich dort ein Wohnhaus? Zimmermann rät: Dazu müsste man sich die alten Ortskarten anschauen.

 
Autor: Vera Müller/Rheinzeitung