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Hexenfeuer...

 

Ein alter Brauch in vielen Dörfern des Kreises Birkenfeld ist das Abbrennen von sogenannten Hexenfeuern oder auch Maifeuern am Abend des 30. April. Ähnliche Bräuche, verbunden mit dem Abbrennen von großen Feuern, gibt es auch in unserer Region in katholisch geprägten Gemeinden in Form von Martinsfeuern am 10. oder 11. November. In Norddeutschland zündet man Osterfeuer an. In der Westeifel werden Feuermänner angezündet. Das sind auf Erhebungen plazierte mit Stroh umwickelte Holzkreuze. Im Schwarzwald und in Teilen der Nordeifel werden Feuerräder von den Hügeln gerollt. All diese Bräuche haben wahrscheinlich vorchristlichen Ursprung und  nichts mit den Hexenverbrennungen im späten Mittelalter zu tun, obgleich verschiedentlich auch eine große Strohpuppe verbrannt wird.

Oberhalb unseres Dorfes, in nordwestlicher Richtung zum Wald, befindet sich der traditionelle Standort für unser Hexenfeuer am sogenannten „Weiher“. Einen Weiher wird man an dieser Stelle aber nicht mehr finden. Bis zum Ende der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts befand sich an dieser Stelle tatsächlich ein Brandweiher. Dieser Weiher war aber durch die Trockenlegung der umliegenden Wiesen immer mehr versumpft und wurde in den 60iger Jahren im Zuge des Abwasserkanalbaus in Wirschweiler zugeschüttet.

Im Wetteifer mit den Nachbardörfern wurde von den Kindern und Jugendlichen im April ein Fichtenstamm in den Boden gesetzt, der als Stütze diente für weitere dünnere Stämme und weiteren Reisig. Jedes Dorf wollte das größte und schönste Feuer haben. Diese Haufen mußten natürlich  bewacht werden, weil sie unter Umständen von den Jugendlichen aus den Nachbardörfern vor dem Termin angezündet wurden.

Im Jahre 1969 kam es in Wirschweiler leider zu einem tragischen  Unfall. Der 13jährige Erwin Leyendecker wurde beim Aufbau des Hexenfeuers durch den außer Kontrolle geratenen umstürzenden Hauptstamm erschlagen. Ab diesem Jahr wurde bei uns nur noch ein großer Haufen kleinerer Stämme und Reisig aufgeschichtet.

In der Nacht zum 1. Mai, der Hexen- oder Walpurgisnacht, trieben dann die „Hexen“ in den Dörfern ihr Unwesen. Es war ratsam in dieser Nacht beweglichen Gegenstände in verschlossenen Räumen unterzubringen. Es konnte sonst geschehen, dass sie sich nicht mehr an den ursprünglichen Stellen befanden.  Es war ja für die Eigentümer auch nicht unbedingt angenehm, den Nachbarn, mit dem man das ganze Jahr nichts zu reden hatte, fragen zu müssen, ob man die eigene Gartentür von seinem Scheunendach holen dürfte.
Neben diesem Schabernack wurde noch eine stattliche Birke geschlagen und mit bunten Bändern verziert. Dieser Maibaum wurde dann vor dem/den Dorfgasthäusern, bei uns „beim Fried“ und „beim Blatt“ aufgestellt. Die Bäume mußten natürlich auch bewacht werden, weil sonst die „Hexen“ aus den Nachbardörfern erbarmungslos zuschlugen und es für einen nicht mehr vorhandenen Maibaum in den Gasthäusern am 1. Mai kein Freibier gab.
Hg.